Essen? Was ist das eigentlich?

Als Kind war ich schlank, aber stark. Ich konnte mich erinnern, dass ich mein gefühltes Sixpack wie Bratwürstchen auf meiner Bauchunterseite bewegen konnte. Ich konnte auch mit den Ohren wackeln, wobei das vielleicht keine so brauchbare Qualität ist, um bei anderen zu punkten.

Übergewicht war kein Thema. Bei mir nicht, aber bei anderen aus meiner Klasse auch eher die Ausnahme. Bei Oma gab es täglich hausgemachtes, jedenfalls kam es aus einem Haus, unserem Haus und nicht vom Lieferdienst. Eingekauft wurde vielleicht 1-2x die Woche, aber nicht täglich und wenn es etwas richtig Ungesundes gab, war das wohl die Käse-Sahnetorte, in die ich mich setzen konnte und die Bratwurst mit Pommes von „der Bude“ neben dem Supermarkt. Jeden Freitag. Wenn Oma nicht kochen wollte.

Meinen Weg zur Schule nahm ich natürlich mit dem Fahrrad und nicht mit dem Auto und wenn ich mittags oder nachmittags heimkam, hatte ich meist noch gar nichts gegessen. Die Butterbrote, die mir Oma in ihrer Verzweiflung mit „Junge, du musst doch was essen“ einpackte, verschwanden größtenteils im Mülleimer vor dem Schulgelände. Ab und zu fand sich dort nach Tagen eine durchaus ansehnliche Menge dieser Hinterlassenschaften und mein schlechtes Gewissen hielt vielleicht eine Minute, na ja, sagen wir 10 Sekunden an, denn ich wusste, dass die armen Kinder in Afrika hungerten, aber das Weizenerzeugnis mit Margarine und Salami statt in Butterbrotpapier in einen Karton zur Entsorgung zur Post zu bringen, schien mir keine sinnvolle Alternative. Jedenfalls nicht in den ersten Jahren meines „Seins“.

Die Ernährung war irgendwas zwischen Malven-Tee und späteren Fruchtsäften. Dann natürlich Schokolade oder Chips. Die weitere Ernährung mit Kartoffeln, Gemüse und Fleisch war ein Nebenakt der Notwendigkeit. Eher aß ich zu wenig als zu viel und sich draußen zu bewegen war deutlich spannender, als bis 17 Uhr aufs Frühabendprogramm im ZDF zu warten. Insofern war ich weder durch Internet und Smartphone, noch durch Netflix und Insta vor einen Bildschirm gebannt. Jedenfalls nicht dauerhaft.

Als ich mit 26 Jahren Vater wurde, schien sich die Situation grundlegend zu ändern. Nicht nur, dass mein Stresspegel dramatisch anstieg, auch die Versorgungssituation war gewährleistet und mein Kühlschrank wies Dank der Partnerin an meiner Seite mehr als Kartoffelpuffer und Apfelmus mit ansetzendem Grünspan auf. Irgendwie schien für mich klar, dass wer sich in einer Beziehung befindet, automatisch zunimmt. Der Stress nahm zuweilen zu, wenn ich bis tief in die Nacht Fläschchen in den Mikrowellensterilisator packte. Überhaupt war Mikrowelle das neue Zauberwort. Während meine Mutter noch davor warnte, was für gefährliche Strahlen sich in so einem Gerät ausbreiten konnten, war der Siegeszug des Fertigessens nicht aufhaltbar. Großartig.

Irgendwann wurde aus dem jungen Hänfling ein starker Mann. Auch die Kilos am Bauch nahmen zu, aber das war in einer Vaterschaft wohl normal und Teil der Normalität war auch, seinem Sohn beim Klettern zuzusehen und mit 30 Jahren nicht mehr die Spitze des Klettergerüsts zu erklimmen, sondern unten für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Finanziell als auch mit Todesangst in den Augen, dass der Sprössling stürzen könnte.

Der zunehmende Cola-Konsum, um neben der Arbeit fit genug zu sein, um Literatur im Netz zu versenken, führte zu Schlafmangel, Panikattacken, Burnout-Zuständen und dem Moment, an dem meine Frau meinte, diese Art von Existenz habe keine Daseinsberechtigung. Alles gegeben und dann trotzdem versagt.

Ich glaube, dass mein Leben getrieben wurde von Zuständen des Wohlbefindens mit körperlicher Masse und Momenten der Angst, Sorge und Verzweiflung, bei der das Gewicht fundamental einbrach und ich mir gar nicht vorstellen konnte, überhaupt einen Bissen zu mir zu nehmen.

Die Äquivalenz dieses Umstandes bedeutete, dass zunahm, wer mehr aß und abnahm, wer weniger aß. Oder um es mit den Worten von Dr. Jason Fung zu sagen, es ist die Kaloriendefizit-Idee, dass der Körper an seine Reserven geht, wenn ihm keine Nahrung zugeführt wird. Theoretisch ist das richtig, aber praktisch – wie Fung auch sagt – ist das Blödsinn und genauso realistisch, wie einem Taucher zu sagen, er könne länger unter Wasser schwimmen, wenn er nicht atmet oder einem Alkoholiker zu sagen, er müsse einfach mit Saufen aufhören. Trotzdem ist in der Idee natürlich ein wahrer Kern, wenn wir weniger Essen, muss die Energie aus uns selbst kommen. Das stimmt. Was man dabei vergisst, ist, dass der Körper irgendwann seine Grundfunktionen einstellt. Schlimmstenfalls mit dem Tode.

Da klar wurde, dass bei über 100kg irgendwann ein Problem anfing und ich immer schneller aus der Puste kam, aber auch die Panikattacken mehr wurden, wusste ich, ich musste etwas tun. Nicht nur, dass die Paniken bei steilen Treppen kamen, dazu kam auch Höhenangst. Von Brücken über Bahnsteigkanten, von gläsernen Fahrstühlen bis zu Rolltreppen in Einkaufshäusern. Schließlich auch beim Autofahren erreichte mein Blutdruck immer schneller ungeahnte Höhen. Dann waren es 103kg, dann 106kg, irgendwann 114kg. Ein Ende nicht in Sicht auf der nach oben hin offenen Panikskala. Eine Belastung nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitmenschen, meine Frau, meine Kinder. Wie lange geht das noch so, wie kommst du davon wieder runter?

Natürlich weichst du irgendwann aus. Nur noch ein Stück Schokolade, nur noch ein paar Chips statt die ganze Packung. Ach komm, heute gönnen wir uns mal was, heute war der Tag anstrengend, die Kollegen haben genervt, die Kids, das Fernsehen ist blöd. Und mit dem aufgeblähten Magen, dem aufpusteten Darm kamen noch mehr Probleme. Der Magenpförtner, der den Dienst versagt, weswegen ich gefühlt nachts bei Magensäure-Überfluten starb. Vermutlich in Kombination mit seelischem oder beruflichem Stress. Die Kombination von allem zu viel zu haben, was mich belastete.

Irgendwann stießen wir auf „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann. Ein tolles Buch. Eine Frau, die sagt, sie habe selbst das Problem und nicht von einer medizinischen Kanzel ins Auditorium herab eine Salat-Predigt hält, sondern bewusst sagt „unter 500 Kalorien pro Tag und dem Körper bleibt nichts anderes übrig, als abzunehmen“. Zusammen mit seelischem Stress funktionierte das erstaunlich gut. Die Fertignahrung aus dem Supermarkt hatte den Kalorienindikator auf dem Schild, dazu noch 250ml „fette“ Cola am Tag und den Rest möglichst nichts oder wenig essen. Schwups waren die Kilos runter… bis auf unter 100kg. Super. Aber nicht effektiv, nicht dauerhaft, nicht lösbar.

Warum, so fragte ich mich, war ich früher so schlank und heute nicht mehr. Lag es an mir und war ein unvermeidlicher Effekt. Klar passte ich nicht mehr auf jede Schaukel und fuhr nicht mehr den heißen Reifen auf dem 24er-Fahrrad durch die Siedlung. Aber was hatte sich wirklich verändert? Meine Essgewohnheit? Meine Nahrungsaufnahme-Riten? Meine Sozialisation? Warum kamen die Kilos wieder, anstatt wegzubleiben? Gönnte ich mir nicht das, was alle Erwachsenen so taten? War es unvermeidlich wie mein Großvater eines Tages mit Schlaganfall und Übergewicht in einem Krankenhausbett zu enden? Tot nach zwei Wochen? War es unvermeidlich meinen Kindern klarzumachen, dass wir unter der Zivilisationskrankheit alle so enden würden?

Irgendwann stieß ich auf ein Aha-Video bei YouTube. Ein Mann erzählte auf der Bühne, dass jeder Mensch Nahrung anders verdauen und verarbeiten würde. Und daher gäbe es Menschen, die dauerhaft schlank – was evolutionär eigentlich aus überlebenstaktischen Gründen blöd war – und die, die das Essen gut verdauen und speichern würden. Was zwar schlau war, aber nur, wenn man noch im Wald wohnte. Den Unterschied machen nicht die Kalorien oder die Nahrung, sondern das, was mit ihr in uns passiert, was das Mikrobiom, diese 50 Billionen Lebewesen in uns daraus machen. Jeder Mensch trüge in sich mehr Bakterien als es Menschen auf der Erde gäbe. Entscheidend wäre daher, wie man „diese“ ernährt und nicht so sehr, wie man sich ernährt.

Das faszinierte mich. Während in einer RTL-Show bei Spiegel TV ein Ernährungsberater sagte, Salat hätte ähnlich viel Bedeutung wie das Essen eines eingerotzten Tempo-Taschentuchs, war ich Feuer und Flamme zu verstehen, was es ist, was da in uns wohnt und was es aus den Dingen macht, die wir verschlingen. Warum soll Salat jetzt gesünder sein als Fleisch oder Bonbons? Was ist es, was darin passiert?

Für einen rationalen Menschen wie mich unheimlich wichtig, das zu verstehen, denn nur wer den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung versteht, kann effektiv etwas tun. Nur wer weiß, was IN uns passiert, kann entscheiden, was geschieht, wenn er etwas hinzutut oder wegnimmt.

Diese Seite soll dir helfen, genau das zu finden. Im besten Fall sind es gute Tipps, im schlechtesten Fall hast du ein bisschen Lebenszeit riskiert für etwas, das du für Unsinn hältst. Aber ich nehme dich mit auf eine Reise. Auf meine Reise. Und wir schauen uns an, wie man dauerhaft und nachhaltig, Kilos verliert. Ich verspreche nicht, dass die Reise schnell geht oder einfach ist oder morgen Ergebnisse liefert, aber dass du bewusst lernst zu erfahren, warum Dinge sind, wie sie sind und dass es sich lohnt zu lernen, immer wieder zu hinterfragen und von vorne zu beginnen, das Universum, das Leben und deinen Körper kennenzulernen.

Herzlich Willkommen auf deinem Weg zu dir selbst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert