Ich war ja immer schon übergewichtig. Seitdem ich zurückdenken kann. Als Kind und Jugendliche hat man nicht darauf geachtet, was man zu essen bekommt und was man isst. Eigentlich glaube ich im Nachhinein, dass Eltern und Verwandte mir das Übergewichtig-sein auch „schmackhaft“ gemacht haben. Gutes Verhalten wurde mit Süßigkeiten belohnt. Das Belohnungszentrum und der Insulinspiegel wurden dann getriggert, wenn ich mich angeblich vorbildlich verhalten habe. Anstatt zu sagen „Hey, jetzt tun wir dir mal etwas Gutes, nachdem du dich so toll verhalten hast“, war die Botschaft eigentlich: „Hier, ein paar schnelle Drogen, damit du nach noch mehr Bestätigung lechzt“.
Ich glaube, ich habe noch viel mehr Süßigkeiten gegessen. Also auf gut Deutsch gesagt: zu viele Kalorien zu sich genommen und mich zu wenig bewegt. Oder die falschen Sachen gegessen. Und so hat sich das über vierzig Jahre gefestigt. Ich habe zwar im Rückblick nie aus Stress gegessen, habe dadurch quasi manchmal mehrere Tage gefastet. Naja, was heißt „fasten“? Kaffee und Kippen (oder eben Zigaretten). Ist das ein Grundnahrungsmittel? Ist das ein gutes Vorbild? Oder nur der zerstörerische Weg, bei dem der Körper nicht nur von seinen Ressourcen leben muss, sondern parallel durch Tabak von außen vergiftet wird? Jedenfalls ist das nichts, was ich empfehlen kann.
Dadurch habe ich in den letzten Jahren vieles ausprobiert, um das Gewicht in den Griff zu bekommen, nachdem ich aufgehört habe zu rauchen. Egal, ob ich Weight Watcher Points im Supermarkt zählte und mich von Regal zu Regal schwang, um ein Produkt mit dem WW-Logo zu finden, bei dem ich nicht erst mühselig scannen oder herumrechnen musste, wie viele Punkte ich noch habe. Dann wieder Ernährungsberatung (Salat soll übrigens gesund sein, hörte ich), dann FDH (Friss die Hälfte) bis hin zu Fitline, Keto-Kaffees, Itworks, Hypnose und Beratungen und Gurus, die sich in den Bergen versteckten und wochenlang mit Eier- und Geflügeldiäten vor sich hinhungerten und dafür 400,- EUR Beratungsgebühr verlangten.
Am Ende bin ich enttäuscht. Ein wirklicher Aha-Moment war für mich, als meine selbsternannte Ernährungsberaterin Teilnehmerinnen aus ihrer WhatsApp-Gruppe warf, die unangenehme Fragen stellten. „Welche Ausbildung hast du, um uns diese Lebensweise zu empfehlen?“, „Was kommt nach den sechs Wochen Extremhungern eigentlich?“, „Auf welchen ernährungsphysiologischen Grundlagen beruht deine Rezeptauswahl?“ oder einfach auf Deutsch „Warum sollte dieser Scheiß besser funktionieren als der Rest?“
Als ich auf meiner Reise mit dem Rauchen aufgehört habe, hat sich mein Gewicht von einer ausgehungerten und halb-vergifteten Person zu einer 140 kg Kampfgewicht-Amazone gewandelt, die auf der Treppe aus der Puste kam. Familiärer Stress und Bluthochdruck, unerfüllter Kinderwunsch und Diabetes, und irgendwann gehst du zum Optiker und der sagt zu dir: „Ihre Sehfähigkeit hat rapide nachgelassen“. Erst einmal blieb mir die Luft weg. Bei jeder Hiobsbotschaft. Und die letzten Atemzüge, die ich eigentlich brauchte, um die hügelige Landschaft vor der Tür zu erklimmen, wurden mir in den Räumen einer Diabetiker-Ärztin endgültig genommen. „Hier, Metformin, nehmen Sie das!“ Vielleicht wäre das alleine gar keine so schlimme Nachricht gewesen, aber in Kombination mit den Blutdrucksenkern, den ständigen Negativnachrichten beim Gynäkologen und der Tatsache, dass man sich irgendwann zu dick, zu unwohl und daraufhin irgendwann auch ungewollt, ungeliebt und ungebraucht vorkommt, steuert man ans Ende oder den Rand der Gesellschaft. Dort, wo der Teller zu kippen droht und du ins Abseits der Bedeutungslosigkeit fällst. Der Glamour auf der einen Seite und der Hartz-IV-TV-Jogginghosen-Träger auf der anderen der Beuteleiter.
Auch die Schwangerschaft war eine Einladung, mich gehen zu lassen. Ja, ich muss es so deutlich sagen. Denn ich esse ja nicht nur für mich, ich esse ja für zwei, und wir wollen uns rundum wohlfühlen. Schwangerschaftsdiabetes? Normal. Ein paar Kilo zu viel nach der Entbindung? Das kommt schon wieder ins Lot. Kam es aber nicht. Es kam nie wieder einfach so ins Lot. Und zwanzig Kilo hungert man eben nicht so leicht runter. Und „Biggest Loser“ im Fernsehen zu schauen, bedeutet nicht, dass die Pfunde auf der Couch schmelzen. Leider nein.
Durch Unterleibs-OPs war ich ans Bett gefesselt oder ließ mich moralisch und im Interesse meines Körpers ans Bett binden, um die Ruhepausen einzuhalten, um die Rekonvaleszenz-Phase nicht zu beeinträchtigen. Oder um es platt zu sagen: „Couch Potato-Mentalität“. Und ja, mit dem Auto eine Runde durch die Wälder fahren, lächelnd beim Vorbeifahren die Wanderer und Radfahrer zu grüßen und die Macht der Natur durchs Fenster des Automobils in die eigene Lunge strömen zu lassen, das macht mental für wenige Minuten frei, aber nicht leichter. Das gleiche gilt für die Anmeldung im Sportverein, im Fitnessclub oder das Auswringen des durchgeschwitzten T-Shirts vor dem Duschen. Es ist psychologische Symptombehandlung zu sagen, man habe 3.000 Schritte auf der Uhr und Wäsche gewaschen, aber weder sind die 3.000 Schritte ein fundamentaler Kalorien-Verbrennungsfaktor noch hilft Wäscheaufhängen dabei. Bestenfalls bedeutet jeder weitere Baumwoll-Quadratzentimeter sich visuell mit seiner Leibesfülle auseinanderzusetzen. Wieder und wieder und wieder.
Unser Gesundheitssystem fördert einen Trend. Den Trend der Vertuschung. Es ist normal, dass acht Millionen Deutsche Diabetes haben. Es ist normal, dass die Kleidergrößen, die früher undenkbar waren, heute zum modischen Trend gehören. Es ist normal, dass wir faktisch rund um die Uhr leckere Mahlzeiten bekommen, ohne mit Pfeil und Bogen durch den Wald zu rennen. Und sollte der Supermarkt tatsächlich geschlossen haben, kratzen wir nicht die Krümel aus dem Tiefkühlfach, sondern lassen uns etwas liefern oder verschwinden in der Filiale mit dem großen M. Sogar nachts um 2 Uhr ist dort oft noch etwas zu holen. Hunger? Fehlanzeige. Nicht bei uns. Vielleicht im Krisengebiet. Vielleicht bei irgendwelchen afrikanischen Völkern, die ich nicht kenne und die weit weg wohnen. Aber bei uns? LIDL hat am Bahnhof 24h geöffnet. Der Laden sieht aus wie Sau, die Kassierin ist unterbezahlt, die Bude müffelt, aber Hauptsache ich habe keine Angst vorm Verhungern.
Egal, wie groß die Küche und deren Schränke waren, sie waren immer gefüllt. Irgendwie lebte ich in einer Konkurrenzsituation mit dem lokalen Supermarkt, der keine 800 m entfernt war und meinem Bedürfnis nach Sicherheit. Ja, so wird es wohl sein. Ein Bedürfnis nach Sicherheit, denn morgen könnte der Krieg ausbrechen oder, viel wahrscheinlicher, die Kinder oder Gott bewahre die Nachbarn vor der Tür stehen, und ich hätte nichts zu essen im Haus. Das, was ich hier habe an Fertiggerichten, an Tüten, die man mit Wasser aufgegossen in die Mikrowelle stellen kann, das ist der moderne Way of Life. Dumm sind die Großeltern und Urgroßeltern, die noch Kartoffeln ernten, schälen und Kartoffelbrei stampfen mussten. Die Fertigkost-Hersteller haben die Produkte in Pulverform quasi unbegrenzt haltbar gemacht. Ein bisschen Milch – wobei das oft auch überflüssig ist – und Wasser, und schon hat man eine warm-cremige Pampe aus der Chemie-Küche des Herstellers, die man sich den Schlund hinuntergießen kann. Der Schrank ist voll von diesen Produkten mit unaussprechlichen Inhaltsstoffen, deren Bezeichnung Gott sei Dank auf der Rückseite steht und die hinter einem lächelnden Gesicht einer Foto-Barbie, einem „ohne Fett“, „ohne Zusatz von …“ und „mit ganz viel …“ Sprüchen in sanften Pastelltönen zum Kauf anregen. Dass Lebensmittel dabei über Monate oder Jahre haltbar bleiben und sich somit wie Motten einen Weg neben das Regal im Kühlschrank fressen, ist eher von Vorteil, denn statt der zwei Nachbarn von nebenan könnte ja auch versehentlich die ganze Schulklasse meines Sohnes oder die Fußballmannschaft der 2. Liga der Bezirksklasse bei uns klingeln. Natürlich hätten sie sich in der Hausnummer geirrt und natürlich wäre ich sozial genug, sie zu bewirten. Aber egal, wie groß die Küche und wie prall gefüllt die Schränke sind, an eines kommen sie nicht: an das, was ich schon gegessen habe und das nicht nur meinen Magen, sondern auch das Fettgewölbe meines Rückens vor den Rippen füllt.
Erkennst du die Analogie? Wie innen so wie außen. Fettgewebe, das für den Fall einer Hungersnot und einem dritten Weltkrieg mit mir herumgeschleppt wird, hat ebenso viel Sinn wie die Trockennahrung in meinen Schränken oder die fast unverwüstlichen Inhalte meines Tiefkühlschranks. Gespeichert für die Ewigkeit. Für den Fall, dass…. Aber wofür eigentlich? Für die Maden im Holzgeflecht meiner Einraumwohnung zwei Meter unter der Grasnarbe? Oder für die Kannibalen, die ich im Ostflügel meiner Gemächer vermute, als ich vor Jahren das letzte Mal dort war? Oder einfach nur für dieses Gefühl, rundum glücklich zu sein und alles „bei mir zu haben“, um mich nicht einsam, nicht verletzlich, nicht angreifbar oder nicht unvollständig zu fühlen.
Ich hatte von allem „zuviel“ statt „zu wenig“ und vor allem hatte ich nicht „Hunger“ sondern ich hatte es „satt“ so angesehen zu werden, so betrachtet, so bemitleidet oder so verhöhnt zu sein. Ich will für meine Kinder da sein, solange es mir möglich ist und Kilos oder sogar Zentner an Gewicht dabei herumzuschleppen, ist weder hilfreich noch macht es mich gesünder oder zu einem besseren Menschen.
Also ist das der Punkt, an dem wir aufhören müssen zu essen und uns fragen, wer wir eigentlich sein wollen. Von jetzt an, bis die Holzwürmer kommen.
Diese Seite soll dir helfen, genau das zu finden. Im besten Fall sind es gute Tipps, im schlechtesten Fall hast du ein bisschen Lebenszeit riskiert für etwas, das du für Unsinn hältst. Aber ich nehme dich mit auf eine Reise. Auf meine Reise. Und wir schauen uns an, wie man dauerhaft und nachhaltig, Kilos verliert. Ich verspreche nicht, dass die Reise schnell geht oder einfach ist oder morgen Ergebnisse liefert, aber dass du bewusst lernst zu erfahren, warum Dinge sind, wie sie sind und dass es sich lohnt zu lernen, immer wieder zu hinterfragen und von vorne zu beginnen, das Universum, das Leben und deinen Körper kennenzulernen.
Herzlich Willkommen auf deinem Weg zu dir selbst.
